Gute Stimmung bei der Vorstellung der Endprodukte im Bildungszentrum BGZ Simmerath.
© Handwerkskammer Aachen

Orientierung auf dem Arbeitsmarkt

Gemeinsam schaffen Handwerkskammer Aachen und Jobcenter neue Wege für Arbeitsuchende – Eigenen Stil entwickeln und sich motivieren

QualiTec GmbH BGZ Simmerath Berufsfelderkundung

Von Alex Beard

Simmerath. Wilhelm Grafen und Stefan Graaf, jeweils Geschäftsführer der QualiTec GmbH der Handwerkskammer und des Jobcenters der StädteRegion Aachen, haben zusammen das Programm „Navigation Eifel“ vorgestellt. Hier geht es darum, Arbeitsuchenden die Gelegenheit anzubieten, sich in der Berufswelt neu zu orientieren.

Die Teilnehmer sind gefordert, durch Einzel- und Gruppenarbeit handwerkliche Fähigkeiten zu lernen, indem sie die Werkstätten im Bildungszentrum BGZ Simmerath der Handwerkskammer mit ihren Erzeugnissen füllen.

Begleitet von professionellen Handwerkern wie zum Beispiel dem Maler- und Lackierermeister Daniel Haas haben die Absolventen die Methoden des Handwerks kennengelernt. Alles, was in den Werkstätten steht, inklusive der Küche, ist von ihnen hergestellt worden. In der Freiheit, die das Programm bietet, können sie ihren eigenen Stil entwickeln, der sich in den Endprodukten, die bei der Vorstellung des Förderzentrums zu sehen waren, widerspiegelte. Laut Haas „motivieren sie sich selber“, obwohl sie sich am Anfang nicht immer trauen.

Dank dem Jobcenter ist „Navigation Eifel“ nicht nur für den späteren Arbeitsplatz nützlich, das Programm hilft auch schon bei der Suche. So wurden den Teilnehmern Hilfe bei der Bewerbung angeboten und Vorstellungsgespräche trainiert. Das erklärt, warum jetzt fast alle, die seit rund einem Jahr dabei sind, entweder in ein Praktikum oder direkt in die Arbeitswelt gehen. 19 Praktika sind schon organisiert worden und sieben „richtige“ Stellen besetzt. Die Nachbetreuung durch die Programmverantwortlichen stellt sicher, dass alle, egal, wie es weitergeht, von ihrem Jahr beim Förderzentrum profitieren. Besonders wertvoll an dem Projekt ist das gute Verständnis zwischen den Teilnehmern. Sie lernen sich durch gemeinsame Mahlzeiten und Gruppenarbeit schnell kennen und profitieren voneinander. Weil alles, einschließlich des Essens, von der Gruppe oder von einzelnen Absolventen erstellt wird, gibt es ein gemeinsames Gefühl der Leistung, was bei der Vorstellung deutlich zu spüren war. Der Umgang sei „respektvoll“, meinte Ghaissaa Qabaweh, die ihre Holzwerke, inspiriert vom Thema „Liebe“, mit dem die Gruppe sich früher im Jahr beschäftigte, vorstellte.

© Handwerkskammer Aachen


Der neue Anfang, der mit dem Programm möglich ist, bedeutete für Joseph Sangangua eine zweite Chance im Leben. Er ist laut eigenen Worten von der kongolesischen Polizei verfolgt worden, flüchtete vor zwei Jahren und kam nach Deutschland. Mit der Erfahrung, die er jetzt in der Tasche hat, fängt er im August eine Ausbildung bei einem Maurerbetrieb an. Sie wird ihm neue Türen im Handwerk öffnen. Er hofft, sich später eine eigene Wohnung leisten zu können. Zusammen mit dem Sprachkurs, den Sangangua drei Tage in der Woche besucht, sollte es ihm möglich werden, unabhängiger zu sein.

Bei „Navigation Eifel“ macht sich die Vielfalt im Alter der Teilnehmer bemerkbar: Sie sind zwischen 24 und 58 Jahre alt. Und wie Wilhelm Grafen in seiner Rede bei der Vorstellung erwähnte, sind die Wege, die sie gehen, unterschiedlich.

Wie hart die Teilnehmer gearbeitet haben und wie sie sich als Gemeinschaft verstanden haben, wurde in einem Video dargestellt, das bei der Vorstellung gezeigt wurde.

Stefanie Horn, Sozialarbeiterin bei der QualiTec, betonte, dass jeder etwas mitbringt, und gratulierte den engagierten und begeisterten Teilnehmern. Sie erwähnte auch die Flexibilität, die das Projekt anbietet; man ist nicht nur an einer Stelle eingebunden, sondern darf verschiedene Bereiche ausprobieren.

Stefan Graaf sagte, die Handwerkskammer sei eine „gute Partnerin“ für das Jobcenter. Besonders beeindruckt war er von der Unterstützung, die den Leuten angeboten wird, die nicht so viel Zeit haben, wie zum Beispiel Alleinerziehende. Er stellte in Aussicht, dass das Programm verlängert wird, weil es so wichtig ist, dass Arbeitsuchende einen Weg in den Arbeitsmarkt finden.

Informationen zu „Navigation Eifel“:
Stefanie Horn,
0241 9674-212,
 stefanie.horn(@)qualitec-ac.de